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5 Grundsätze, die mein Training heute bestimmen

In meiner Arbeit mit Pferden haben sich über die Jahre Grundsätze herauskristallisiert mit denen ich selber und mit meinen Schülerinnen und Schülern arbeite.

Wenn ich mit einem Pferd arbeite, habe ich natürlich eine Vorstellung davon, wohin sich das Training entwickeln soll. Ich möchte einen Bewegungsablauf fördern, bei dem Kräfte möglichst sinnvoll durch den Körper übertragen werden können, der Rumpf stabilisiert und der Brustkorb getragen wird und das Pferd zunehmend in die Lage kommt, sich selbst auszubalancieren. Der Weg dorthin ist aber nicht für jedes Pferd derselbe.

In meiner Arbeit als Pferdeosteopathin und Trainerin habe ich über viele Jahre sehr unterschiedliche Pferde gesehen – mit unterschiedlichem Exterieur, unterschiedlicher Vorgeschichte, unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen und ganz unterschiedlichen Strategien, mit diesen Voraussetzungen umzugehen. Mich interessiert deshalb nicht nur, wie etwas aussieht, sondern vor allem, welche Funktion dahintersteht und warum ein Pferd eine bestimmte Bewegung auf genau diese Weise ausführt.

Aus all diesen Erfahrungen haben sich meine heutigen Grundsätze entwickelt, die mein Training bestimmen.

Erst sehen und verstehen – dann handeln

Bevor ich einen Bewegungsablauf verändern möchte, muss ich ihn zunächst kennenlernen. Wie bewegt sich dieses Pferd, wenn ich möglichst wenig Einfluss nehme? Welches Tempo wählt es? Wie organisiert es Kopf und Hals? Wie benutzt es seine Vorder- und Hinterbeine? Wie verändert sich der Bewegungsablauf auf einer gebogenen Linie, auf der Geraden oder in einer Ecke? Und was passiert, wenn die Kraft nachlässt?

Dabei versuche ich zunächst, möglichst wenig in „richtig“ und „falsch“ einzuteilen.

Denn ein Pferd läuft nicht zufällig so, wie es läuft. Seine Bewegung entsteht aus seinem Exterieur, seinem Trainingszustand, seinen bisherigen Erfahrungen und seinem aktuellen körperlichen Zustand. Deshalb möchte ich zuerst verstehen, was das Pferd tut und warum es diese Lösung wählt, bevor ich entscheide, was ich verändern möchte.

Das bedeutet auch, dass Beobachtung kein einmaliger Schritt am Anfang des Trainings ist. Der Bewegungsablauf verändert sich. Das Pferd wird kräftiger, Aufgaben werden leichter, an anderen Stellen entstehen neue Schwierigkeiten. Deshalb muss ich immer wieder hinschauen und überprüfen, ob das, was ich tue, noch sinnvoll ist.

Unterschiedliche Pferdetyoen haben ganz unterschiedliche Gangbilder. Dies ist erstmal eine völlig neutrale und wertvolle Beobachtung. Je besser ich das Gangbild von meinem Pferd kenne, desto besser kann ich das Training individuell anpassen. DAs kannst Du zum Beispiel in meinem Gruppencoaching lernen. Auf Instagram findest Du diese Pferde in Bewegung.

Das Pferd bestimmt den Weg – nicht die Methode

Ich arbeite gerne mit bestimmten Übungen. Aber keine Übung ist für mich ein Selbstzweck.

Ein Zirkel, ein Carré, Seitengänge oder nur Geradeaus sind zunächst einmal Werkzeuge. Ob eines dieser Werkzeuge sinnvoll ist, entscheidet nicht die Methode, sondern das Pferd vor mir.

Was für ein Pferd ein sinnvoller nächster Schritt ist, kann für ein anderes Pferd zu viel, zu schwierig oder schlicht die falsche Aufgabe sein.

Das habe ich auch bei meinen eigenen Pferden immer wieder erlebt. Lord und Pontus beispielsweise brauchten und brauchen völlig unterschiedliche Wege. Was dem einen geholfen hat, wäre beim anderen nicht automatisch sinnvoll gewesen. Das gilt inbesondere am Anfang der Ausbildung oder in einem Reha Kontext.

Deshalb interessiert mich weniger: „Welche Übung kommt als Nächstes?“ Sondern: „Was braucht dieses Pferd als nächstes um gesundheitlich vom Training zu profitieren?“

Das klingt ähnlich, führt im Training aber zu vollkommen unterschiedlichen Entscheidungen.

Pontus mein Knasbtrupper ist eher hypermobil und hatte Schwierigkeiten mit seiner Balance, Lord mein Noriker war sehr stabil aber brauchte viel Unterstützung geschmeidig zu werden und seine großen Kräfte zu kanalisieren. Auf den Fotos sind sie ca 10 (Pontus) und 20 (Lord) Jahre alt.

Das Pferd unterstützen die richtige Lösung zu finden

Ich möchte ein Pferd dabei unterstützen, eine funktionell gute Lösung zu finden. Ich möchte es nicht von außen in eine Form bringen, die für mich richtig aussieht. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Wenn ich beispielsweise möchte, dass sich ein Pferd anders im Rumpf organisiert oder seine Kopf-Hals-Haltung verändert, kann ich versuchen, diese Position direkt herzustellen. Ich kann aber auch die Bedingungen so verändern, dass das Pferd selbst eine Lösung finden kann, die dem nahe kommt wie ich denke dass es funktionell gesund ist.

Ausschnitt aus dem Workshop “Sehen – Fühlen – Verstehen” in dem die ebenfalls die Blickschulung die Hauptrolle gespielt hat. Je mehr wir selber sehen und fühlen, desto mehr können wir verstehen!

Dafür kann ich beispielsweise die Linienführung verändern, das Tempo anpassen, die Aufgabe vereinfachen oder meine eigene Einwirkung reduzieren. Dann beobachte ich, was passiert. Manchmal findet das Pferd zunächst verschiedene Lösungen. Es probiert aus, verändert seine Position, verliert sie wieder und findet sie erneut. Genau dieser Prozess interessiert mich. Hierbei können kurzzeitig erstmal vermeintlich “schlechtere” Formen entstehen. Bis zu einem gewissen Grad lasse ich das zu, denn hierbei lerne ich ganz viel über das Pferd, was mir im Training hilft

Denn mein Ziel ist nicht, dass das Pferd für einen Moment so aussieht, wie ich es gerne hätte. Mein Ziel ist, dass es zunehmend selbst in der Lage ist, seinen Körper sinnvoll zu organisieren, selber die korrekten Bewegungsabläufe wählt und unser Training somit gesundheisfördernd ist.

Eine Aufgabe muss körperlich lösbar sei

Dieser Punkt ist für mich besonders wichtig – und hier beeinflusst meine Arbeit als Pferdeosteopathin meinen Trainingsansatz ganz wesentlich.

Ich weiß aus meiner täglichen Arbeit, wie sehr Blockaden, Schmerzen, Verletzungen oder strukturelle Veränderungen einen Bewegungsablauf beeinflussen können. Manche Dinge gehen in einem bestimmten Moment tatsächlich nicht oder nicht korrekt. Pferde sind sehr ehrlich – sie geben einem direktes Feedback, man muss nur zuhören. Die allermeisten Pferde geben lange sehr kleine Hinweise das etwas nicht geht. Wichtig ist, dass wir zuhören und es richtig einordnen, denn Pferde täuschen nichts vor und sie denken sich nichts aus.

Immer zuhören was das Pferd einem sagt – auch wenn es zunächst leise erscheint! Lord und ich ca 2015.

Wenn eine relevante körperliche Einschränkung vorliegt, muss diese gegebenenfalls zunächst behandelt werden. Nach einem strukturellen Schaden braucht Gewebe Zeit zum Heilen. Und manche körperlichen Voraussetzungen werden sich überhaupt nicht verändern. Dann muss sich das Training an das Pferd anpassen und nicht das Pferd an unseren Trainingsplan. Gymnastizierung kann sehr viel verändern – aber sie kann nicht alles lösen.

Aber auch bei einem körperlich gesunden Pferd muss eine Aufgabe so gestellt sein, dass es überhaupt eine Chance hat, sie zu lösen. Dazu gehört natürlich auch die mentale Vorbereitung, die die Pädagogik mit einschließt. Deshalb arbeite ich gerne mit kleinen Aufgaben, kurzen Reprisen und ausreichend Pausen.

Wenn ein Pferd eine Aufgabe nicht lösen kann, ist meine erste Frage nicht: „Wie bekomme ich es dazu?“ Sondern: „Warum kann es diese Aufgabe gerade nicht lösen?“

Das kann fehlende Kraft sein. Es kann mangelnde Balance sein. Die Aufgabe kann zu schwierig gestellt sein. Das Pferd kann müde sein. Oder es kann eine körperliche Einschränkung geben. Erst wenn ich das verstanden habe, kann ich sinnvoll entscheiden, wie es weitergeht.

Das Pferd darf meine Meinung ändern

Ein Trainingsziel ist für mich niemals wichtiger als die Rückmeldung des Pferdes. Das gilt auch – und vielleicht besonders – für Pferde, die unglaublich gerne arbeiten. Ein sehr motiviertes Pferd sagt nicht unbedingt rechtzeitig, dass es nicht mehr kann. Manche Pferde bieten immer weiter an. Sie machen mit, obwohl ihre körperlichen Möglichkeiten längst eine Grenze setzen.

Genau darüber habe ich auch in meinem Interview für die Dressur-Studien zum Thema „Workaholic-Pferde“ gesprochen. Ein Pferd kann hoch motiviert sein und trotzdem körperlich nicht belastbar genug für das sein, was es anbietet, denn Arbeitsbereitschaft ist keine Belastbarkeitsdiagnostik. Gerade bei solchen Pferden liegt die Verantwortung beim Menschen, wir müssen entscheiden, wann genug ist. Deshalb darf ein Pferd meinen Plan jederzeit verändern.

Wenn sich die Bewegungsqualität im Training verschlechtert, wenn eine Aufgabe plötzlich nicht mehr funktioniert, wenn Ermüdung sichtbar wird oder wenn das Pferd mir zeigt, dass heute andere Voraussetzungen herrschen als gestern, dann muss ich reagieren. Nicht das Abarbeiten meines Plans macht gutes Training aus, sondern die Fähigkeit, ihn immer wieder infrage zu stellen.

Der Artikel mit meinem Interview: Der Workaholic: Wenn zu viel Motivation zur Herausforderung wird (Dr. Sandra Engels, Rui Madaleno)

Was bedeutet das für meine Arbeit?

Diese fünf Grundsätze hängen für mich unmittelbar zusammen. Ich beobachte zunächst, bevor ich verändere. Ich wähle den Weg passend zum individuellen Pferd. Ich versuche Bedingungen zu schaffen, unter denen das Pferd selbst eine funktionell gute Lösung finden kann. Ich respektiere körperliche Grenzen. Und ich überprüfe immer wieder, ob der eingeschlagene Weg tatsächlich noch der richtige ist.

Dabei sind Osteopathie und Training für mich keine voneinander getrennten Bereiche. Meine Erfahrung mit körperlichen Einschränkungen beeinflusst meinen Blick auf Training – und meine Erfahrung mit Bewegung und Training beeinflusst wiederum meine osteopathische Arbeit.

Hast Du Lust mit mir zusammen zu arbeiten? Dann schau in mein Angebot – ich freue mich von Dir zu hören!

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